Seminarbeschreibung

Seit den Korruptionsaffären um Siemens und andere renommierte Konzerne ist Corporate Compliance in aller Munde. Durch eine wachsende Regelungsdichte und vor dem Hintergrund einer intensiveren Verfolgung von Wirtschaftsvergehen und der Verhängung Milliarden schwerer Geldbußen gegen Preiskartelle sind die Risiken für Vermögen und Reputation der Unternehmen deutlich gestiegen. Die Rechtsprechung stellt immer höhere Anforderungen an die Aufsichts- und Organisationspflichten der Unternehmensführer. Um sich vor wirtschaftlich unkalkulierbar gewordenen Haftungsrisiken zu schützen, sind die großen Unternehmen - allen voran die Konzerne - dazu übergegangen, ihr Risikomanagement aufzurüsten und haben in zahlreichen Fällen spezielle Compliance-Abteilungen aufgebaut. Eine werteorientierte Unternehmensführung gilt zusätzlich als ein positiver Wettbewerbsfaktor. Der Mittelstand nähert sich dem Thema dagegen nur zögerlich. Er fürchtet neben hohen Kosten die Aufblähung der Bürokratie und die Behinderung des operativen Geschäfts. Häufig werden auch die Risiken unterschätzt. Dabei besteht schon jetzt Handlungsbedarf, fehlende Compliance im Unternehmen wird eher mittelfristig als langfristig zu einem deutlichen Wettbewerbsnachteil. Die Unsicherheiten sind groß, was unter dem Modebegriff "Compliance" zu verstehen ist. Wie sehen die notwendigen und sinnvollen Mindestanforderungen für eine angemessene Compliance-Organisation aus, die vor Haftungsrisiken schützt, ohne zu viel zu kosten und eine bürokratische Überreglementierung vermeidet? An diesem Punkt setzt das neue Seminar an und stellt die für mittelständische Unternehmen geltenden Grundelemente eines effizienten Compliance-Programms vor.

Im letzten Teil des Seminars wird der Frage nachgegangen, welchen Beitrag die Wirtschaftsverbände für eine Compliance gerechte Integritätslösung leisten können. Dem individuellen Unternehmen nutzen seine Compliance-Bemühungen nur wenig, wenn die Konkurrenz sich nicht an die Regeln hält. Hier sind die Branchenverbände gefordert, standardisierte Compliance-Programme zu entwickeln und ihre vorwiegend mittelständischen Mitglieder bei der Implementierung im Unternehmen zu unterstützen. Eine Kollektiv-Lösung ist für das einzelne Unternehmen bedeutend wirtschaftlicher und fördert aufgrund des einheitlichen Standards und damit der Vergleichbarkeit der Compliance-Organisationen das Vertrauen zwischen den Wettbewerbern sowie gegenüber Öffentlichkeit, Kunden und Geschäftspartnern. Die freiwillige Auditierung und Zertifizierung des im konkreten Unternehmen eingesetzten Compliance-Management-Systems unterstreicht zusätzlich nicht nur die Ernsthaftigkeit des Compliance-Anspruchs, sondern wird sich zu einem nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil entwickeln. Die Zertifizierung wird einen Anreiz zur Nachahmung geben und damit ihren Beitrag zur Stabilisierung eines fairen Wettbewerbs nicht verfehlen.

Warum Sie dieses Seminar besuchen sollten

Die Teilnehmer werden anhand von Beispielen mit den grundlegenden straf- und zivilrechtlichen Risiken durch wirtschaftskriminelle Delinquenz vertraut gemacht, die dem Unternehmen und seinen gesetzlichen Vertretern drohen können. Den Seminarteilnehmern wird das unverzichtbare Wissen über die Anti-Korruptionsstrafgesetze vermittelt. Sie lernen die Grundelemente eines Compliance-Programms kennen, um regelkonformes Verhalten im Unternehmen zu verwirklichen. Die Teilnehmer erfahren schließlich, welchen Beitrag die Wirtschaftsverbände zur Entwicklung und Implementierung von Compliance-Standards im Interesse ihrer Mitgliedsunternehmen leisten können.

Programmablauf

09:00 Check-In und Ausgabe der Seminarunterlagen

Was versteht man unter dem Modewort "Compliance"?

Nichts dazu gelernt? Zur aktuellen Situation von Korruption und Wirtschaftskriminalität

Risiken für das Unternehmen und die Unternehmensleitung persönlich

  • Rechtliche Konsequenzen im Überblick
  • Wer haftet für eine fehlende Compliance-Organisation?
  • Strafbarkeit von wilful blindness?
  • Wie weit geht die strafrechtliche Garantenstellung des
  • Compliance-Verantwortlichen?

 

Die Fallstricke lauern überall

  • Vermittlung von Basiswissen zum Anti-Korruptionsstrafrecht
  • Darstellung der Gesetze anhand von Praxis-Fällen

 

Handlungsbedarf: Fehlendes Compliance-Programm als Wettbewerbsnachteil

Alternative Compliance Aufbau-Organisationen: Alleinstellung oder Matrix-Variante?

Die Grundelemente für ein effizientes Compliance-Programm im Mittelstand

  • Die drei Aufgaben von Compliance: Vorbeugen - Aufklären - Reagieren
  • Die klassischen Werte eines Ethik-Kodex als Grundlage des Compliance-Programms
  • Richtlinien zur Verhinderung von ungewollten Gesetzesverstößen:
    • Umgang mit Geschäftspartnern und Wettbewerbern
    • Annahme und Gewährung von Geschenken und Einladungen
    • Vermeidung von Interessenkonflikten
    • Spenden und Sponsoring
  • Schulung, Kommunikation und Helpdesk: Bausteine erfolgreicher Compliance
  • Whistleblowing: Der externe Vertrauensanwalt als Ombudsmann und die Webbasierte Hotline für (anonyme) Hinweisgeber
  • Konsequente Reaktionen auf Fehlverhalten von Mitarbeitern und Lieferanten

Der Beitrag der Wirtschaftsverbände für Compliance

  • Entwicklung von einheitlichen Compliance Standards für alle Mitgliedsunternehmen: Verbands-Kodex, Verhaltensrichtlinien, Schulungsunterlagen
  • Durchführung von Informationsveranstaltungen und Workshops
  • Unterstützung bei der Implementierung der Standards im konkreten Unternehmen
  • Einrichtung von zentralen Hinweisgebersystemen auf Verbandsebene
  • Freiwillige Auditierung durch externe Prüfer nach einheitlichem Muster
  • Zertifizierung des implementierten Compliance Programms

 

Vorteile der Verbandslösung für die mittelständischen Unternehmen

  • Kostengünstige Blaupause für ein wirksames Compliance Programm
  • Minimierung der Haftungsrisiken
  • Reputationsgewinn und Wettbewerbsvorteil
  • Äquivalenzvereinbarung statt Unterwerfung unter fremde Verhaltenskodizes

17:30 Ende des Seminars

Es werden zwei Kaffeepausen und eine Mittagspause pro Seminartag angeboten. Der Seminarleiter legt die Zeiten individuell, entsprechend dem Programmablauf fest.


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